Es war ein Tag, eigentlich genau so wie alle anderen. Doch knapp
2,2 Kilometer und ungefähr 1,5 Minuten veränderten diesen Tag enorm. Ort des
Geschehens war Piesbach im Saarland. Einen Tag vor dem Ereignis habe ich noch mit Olaf
telefoniert und er meinte: "Ja, das geht alles klar, wir treffen uns um 20 Uhr
morgen in Piesbach am Sportplatz." Ich wusste nicht wirklich, was mich genau dort
erwartet - woher auch, wenn man noch nie in einem Rallyeauto gesessen hat. Was ich
jedoch schon im Vorhinein wusste, dass ein roter Porsche 996 GT3 RS und das
ProRallye-Team von Alex und Olaf mich erwarten.
In Piesbach angekommen meldete ich mich kurz bei Alex und dem Team, musste mich aber
aufgrund weiterer Mitfahrer noch ein wenig gedulden. Olaf war anscheinend nur zu
langsam unterwegs, dass er seinen Zeitplan nicht einhalten konnte :P. Jedes Mal, als
Olaf wieder in den Service-Park kam und den nächsten einlud, steigerte sich die
Aufregung und das Adrenalin in mir. Langsam, aber sicher häuften sich die
SMS-Nachfragen meiner Freunde, wann ich denn endlich drin sitze und ob ich die
"Kotztüte" dabei hätte.
Endlich rief Alex dann nach mir und ich durfte schon mal in den Rennoverall
schlüpfen. Dann war es endlich soweit! Olaf kam ein weiteres Mal in den
Service–Park. Nun war das Warten vorbei, es hieß: "MITTENDRIN statt NUR
DABEI!" Eingestiegen, angeschnallt und ans Mikro verkabelt war ich von der
Außenwelt abgeschnitten. Schon der Sound des Porsche beim Anfahren war
überwältigend und versetzte mich in eine andere Welt.
Die Strecke vom Service bis zum Start nutzten wir für einen kurzen Smalltalk
über technische Daten, Erwartungen an die Rallye usw.. Olaf meinte: "Frag
mir einfach Löcher in den Bauch, alles was dich interessiert." Doch in
dem Moment fiel mir auf: "Wo waren die ganzen Fragen hin, die ich vorher
hatte???." Vor totaler Faszination - weniger vor Aufregung - hatten sich meine
Fragen in Luft aufgelöst, so überwältigend war allein das Gefühl
in diesem Auto neben diesem so berühmten Fahrer der Rallyeszene zu sitzen.
Am Start angekommen gaben Olaf und ich uns noch einmal die Hand, da wir, wie er immer
so schön sagt, "im selben Boot" sitzen. Und dann standen wir auch schon
vor dem Marshall, der uns das Startzeichen gab. Plötzlich sagte Olaf: "Noch
10." Mir rutschte das Herz in die Hose, die Finger der Marshalls wurden immer
weniger, der Motor heulte auf und los ging es mit Vollgas in die erste Kurve. Nach der
Kurve fing Olaf das ausschlagende Heck elegant ab und leitete schon mit der Handbremse
die nächste 90 Grad Kurve ein. In einem Höllentempo ging es über einen
Feldweg, schmaler als eine Straßenhälfte. Als ich kurz auf den Tacho
schaute, traute ich meinen Augen nicht. 200 km/h!!!
Dann ging es durch mehrere schnelle Schikanen, als Olaf plötzlich voll auf der
Bremse stand und ich nur noch Wald und Bäume vor und neben mir sah. In dem
Geschwindigkeitsrausch sah es aus wie eine Sackgasse. Eigentlich hatte ich mich schon
mit dem Baum vor mir angefreundet, jedoch zog Olaf gekonnt die Handbremse, ließ
das Heck des Porsche perfekt am Rande des Feldweges entlang gleiten und weiter
ging´s mit voller Beschleunigung in Richtung Ziel.
Durch das Ziel durch herrschte erstmal Stille im Auto bis Olaf fragte: "Na wie
wars?" Ich war so begeistert, dass ich nur ein leichtes "Wooow" aus mir
rauspressen konnte, so atemberaubend war die Fahrt. Hätte man mich jedoch in dem
Moment ohne Helm und Sturmhaube gesehen, wäre meine Faszination vor lauter
Grinsen nicht zu übersehen gewesen.
Und dann ging es auch schon zurück in den Service-Park. Und à propos
"Zeitplan nicht einhalten": Ich nehme alles zurück, was das
Langsam-Fahren in Verbindung mit Olaf betrifft. *Grins* Die Fahrt war so geil, dass
ich auf der Rückfahrt keine ordentlichen Sätze aus mir herausbrachte. Jedoch
war dann auch der Service-Park wieder erreicht und Aussteigen war angesagt, obwohl ich
keinerlei Probleme mit weiteren Runden gehabt hätte.
EIN RIESENGROßES DANKESCHöN AN DAS PRORALLYE-TEAM, besonders an ALEX und
OLAF, dass Ihr mir diesen Traum erfüllt habt. Noch nie war ich von einer Sache so
begeistert wie von dieser Mitfahrt. Es war nur geil, geil, geil! Macht weiter so wie
bisher!
Viel Glück und Erfolg auf den weiteren Rallyes und hoffentlich auf ein
Wiedersehen im Porsche
Liebe Grüße aus dem Saarland
Tobias