Seitdem ich dem Rallyesport verfallen bin, war und ist es einer meiner größten
Träume, wenigstens EINMAL neben einem der großen Fahrer Platz zu nehmen und den Grenzbereich im
Rennbetrieb miterleben zu dürfen. Genau diesen Wunsch habe ich mir zum Shakedown der 50. Wartburg Rallye
erfüllt und das auch noch mit einem der spektakulärsten Fahrer der deutschen Rallyeszene.
Als ich am Service-Platz zum vereinbarten Termin eintreffe, fährt Olaf bereits mit dem ersten Beifahrer
zum Shakedown. Ich stelle mich seiner Copilotin Alex kurz vor und wenig später sitzen wir zusammen am
Tisch. Sie erklärt uns nicht nur das umfangreiche Vokabular des Aufschriebes, sondern macht vor allem
deutlich, welche Verantwortung man als Copilot trägt und welche organisatorischen Funktionen
zusätzlich noch mit bewältigt werden müssen. Es war allein schon beeindruckend, mit welcher
Begeisterung sie uns davon gesprochen hat. Man hat deutlich gemerkt, wie viel Aufwand und Ehrgeiz hier
dahinter stecken muss.
Noch etwas Zeit vergeht, denn an diesem Abend gab es insgesamt 10 Gäste, die eine Mitfahrt gebucht
hatten. Nachdem es eine längere Unterbrechung auf der Strecke gab und die Zeit immer näher
rückte, wurde kurzerhand entschlossen, die Beifahrer-Gäste direkt an die Strecke zu fahren, damit
niemand auf seine Mitfahrt verzichten muss. Ein Mechaniker des Teams fährt mich in voller Montur zum
Shakedown und da Olaf noch mit einer vorigen Beifahrerin in der Schlange warte, konnte ich mir den Start
ansehen. Ich konnte es immer noch kaum glauben, gleich selbst neben ihm am Start zu sitzen.
Endlich ist es soweit, da Olaf sich gleich wieder in der Schlange einreiht, musste es etwas schneller
gehen. Trotzdem nimmt sich der Mechaniker die Zeit mir ganz gelassen beim Einsteigen und Anschnallen zu
helfen und sogar noch ein Foto zusammen mit Olaf und mir zu machen. Super!
Unter Helm und Haube nehme ich nur noch wenig wahr, doch über integrierten Kopfhörer und Mikrofon
bin ich mit Olaf direkt verbunden. Ich verstehe ihn laut und deutlich. Auch die Innengeräusche nehme
ich durch Olafs Mikrofon über die Kopfhörer wahr. Beim langsamen Anrollen an den Start stellt er
sich und das Fahrzeug mir kurz vor. Ich war beinahe sprachlos und konnte nur noch mit "Nicken" und
"Ja" antworten, sporadisch viel mir nur eine Frage zu seiner physischen Vorbereitung ein. Er
dagegen macht einen eher beruhigenden, aber konzentrierten Eindruck und machte sogar direkt am Start noch
einen kurzen Plauder mit dem Starter. Mit Olafs Worten: "Schließlich sitzen wir ja im selben
Boot" geben wir uns kurz vor dem Start noch einmal die Hand.
Dann geht alles verdammt schnell, die Tür knallt zu, der Starter zählt runter. 5, 4, 3, 2, 1, Los
und es presst mich unter brüllendem Motorgeräusch wortwörtlich atemberaubend in den Sitz und
drückt mich anschließend gleich wieder nach vorne kurz vor einer 90 Grad Rechtskurve. Mit enormen
Druck beschleunigt er blitzschnell wieder quer aus der Kurve heraus, so dass es mir die Beine unfreiwillig
vom Stützblech zieht, obwohl ich mich extra bemühte die Beine fest aufzudrücken, um nicht an
den riesigen Handbremshebel zu kommen, der zu meiner Seite hinüber ragte.
Nach einem kurzen Stück geradeaus, so kam es mir jedenfalls vor, folgt auch gleich eine Linkskurve mit
leichtem Gefälle am Kurvenende. Nach dem brutalen Anbremsen und Runterschalten knallt mir der Helm durch
das ruckartige Einlenken gegen den Überrollbügel, doch ehe ich darüber nachdenken konnte, sehe
ich im Kurvenausgang, wie wir knapp am Graben vorbeischießen. Auf dem kurzen Berg-ab-Stück
beschleunigt der Porsche umso mehr und Olaf driftet quer in die nächste Links hinein und wieder hinaus.
Es folgt eine etwas längere Gerade mitten durchs Gewerbegebiet. Wie mir Olaf vorher mitteilte, erreicht
der Wagen auf diesem Stück eine Geschwindigkeit von etwa 200 km/h. Wieder hartes Anbremsen in eine
schnelle Rechts, danach weiter geradeaus bis in eine Links-Rechts-Kombination mit kurzer Gerade zwischendurch.
Im Unterbewusstsein erkenne ich, dass außergewöhnlich viele Zuschauer an der Strecke stehen, hier
musste also anscheinend besonders viel Action geboten werden. Olaf schießt uns quer in die erste Rechts
hinein, zwischendurch schlägt er das Gaspedal bei hoher Drehzahl voll an, so dass ich trotz 6-Punkt-Gurt
vom "Nach-außen-Schleudern" sofort wieder in den Sitz hinein gepresst werde und es folgt ein
lang gezogener Drift aus der folgenden Linkskurve wieder heraus.
Schon sehe ich die Zieltafel und kann
gar nicht glauben, dass wir schon da sind. Beim Ausrollen fordert ein jubelnder Zuschauer am Rand mit
hecktischer Armbewegung Olaf nochmal zum beherzten Gasstoß auf und Olaf fragt mich kurze Zeit
später, wie mir die Fahrt denn gefallen hat. Mit Dauergrinsen ab der ersten Kurve und einem
unbeschreiblichen, überglücklich Gefühl fällt mir nur noch ein "Herrlich, absolut
herrlich" ein und ich war mir sicher, dass dies nicht meine letzte Mitfahrt gewesen sein wird.
Herzlichen Glückwunsch zum Sieg zur Wartburg Rallye, vielen Dank an das Team und weiterhin viel Erfolg!
Martin